10 Fragen an: Die Sexpertin Jana Förster

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Sexpertin Jana Förster 10 Fragen Erolifestyle

Mit nur 38 Jahren hat es die Berlinerin in Talkshows geschafft und veröffentlich regelmäßig Kolumnen in der B.Z.: Jana Förster hat sich als Sexpertin und Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie Autorin/Kolumnistin auch in den Medien einen Namen gemacht. Doch was sind Gedanken, Beweggründe und persönliche Meinungen der sympathischen Blondine? Wir haben nachgefragt…

Als Expertin für intime Fragen sind Sie online sehr gefragt. Wie beantworten Sie die zahlreichen Anfragen der User? Angelesenes Wissen oder gelernte Praxis?

Die Mischung macht’s. Sexualität- und Partnerschaftsthemen begleiteten mich bei der Arbeit meiner sechs Bücher viel im theoretischen Bereich. Die praktische Seite habe ich allerdings nie aus den Augen verloren. 

Sie erreichen auch sehr private Fragen. Zuletzt gelesen: „Soll ich mich noch vor Weihnachten von meiner Freundin trennen?“ Inwieweit nehmen Sie diese Thematik mit? Haben Sie an Heiligabend tatsächlich an diesen jungen Mann gedacht?

Ehrlicherweise in diesem Fall nicht. Es gab aber durchaus schon Fragen, die mich danach noch einige Tage oder Wochen beschäftigt haben. Zum Beispiel die Frage einer Frau, die offensichtlich in einer Beziehung mit toxischen Anteilen steckte und sehr darunter litt. Ich habe mich oft gefragt, wie es ihr inzwischen geht. An viele Fragen denke ich nicht mehr, wenn ich mich mit meiner Antwort gut fühle und sie abgedruckt ist. Doch ab und zu würde ich gern wissen, was die Leser zu meiner Antwort denken.

Die Sexpertin Jana Förster ist um eine Antwort nie verlegen!

Sie selbst sind als Sexpertin in vielen Foren online. Zahlreiche Fragen erreichen Sie täglich – gibt es für Sie ein „No Go“ in der Beantwortung?

Ich bekomme oft Fragen zu meiner eigenen Sexualität und meinen Vorlieben, was ich gern privat halte. Naturgemäß kommen auch mal Angebote, weil einige Menschen denken, in mir eine gute Lehrerin zu finden. Da führt kein Weg „rein“…

Die meisten Fragen erreichen Sie online und werden anonym veröffentlicht – bleiben Sie in Kontakt mit den Fragestellern?

Sehr sehr selten. Mir fehlt leider die Zeit, mit allen in Kontakt zu bleiben, auch wenn mich natürlich die Entwicklung oft sehr interessiert. Es gab allerdings schon Fragesteller, mit denen ich mich alle paar Wochen mal kurz ausgetauscht habe. Das waren aber eher wenige.

Ihre eigene Homepage heißt bindungs-anker: Was genau soll ich mir darunter vorstellen? Ist die Bindung die verbindende Komponente? Oder kann / darf auch man Anker lösen?

Ich habe eine starke Verbindung zum Wasser, liebe den Bootssport, Segeln, Tauchen, Angeln. Anker geben Stabilität, wenn man sie braucht. Starke Bindungen tun das auch. Anker kann man aber auch einholen und die Position neu ausrichten, wenn die Zeit dafür reif ist. Man bleibt trotzdem jederzeit Herr der eigenen Handlungen, das war mir so wichtig bei der Benennung meiner Praxis.

Sie agieren mit sexuellen Themen in der Öffentlichkeit. Aus eigener Erfahrung weiß ich – Dick Pics sind da nicht weit. Inwieweit sehen Sie sich als sexualisierte Persönlichkeit in der Öffentlichkeit?

Ich weiß, dass meine Rolle in der Öffentlichkeit als Sexpertin sehr stark polarisiert und damit kann ich sehr gut umgehen, denke ich. Ich bin mir meiner Weiblichkeit, meiner blonden Haare, meiner Kurven und Co. bewusst und kann es keinem Mann übelnehmen, wenn er es nicht mal mit einem Pic probiert. Bisher bin ich aber noch nie direkt ins Auto gesprungen. 😉

Wie offen agieren Sie in Ihrem privaten Umfeld mit dem Thema Sexualität? Wissen Ihre Eltern, in welchem Thema Sie journalistisch tätig und somit öffentlich präsent sind?

Mein Vater kauft jeden Montag die B.Z. und teilt der jeweiligen Kassiererin stolz mit, dass seine Tochter die Sexthemen in der Zeitung als Expertin beantwortet. Ich finde das schon sehr niedlich. Ich musste mich nie damit verstecken, außer bei meinen Schwiegereltern, vielleicht. Sie tun mir manchmal etwas leid. Sonst ist mein privates Umfeld sehr offen mit mir und wir sprechen wahrscheinlich auch unter Freunden viel mehr über Sex, als es sonst üblich ist. Ich mag das Thema nicht nur beruflich, sondern in allen Lebenslagen. Es ist und bleibt einfach spannend. Immer.

Die zahlreichen öffentlichen Fragen spiegeln vermutlich nur einen Bruchteil wider. Wie gestaltet sich Ihr persönlicher Arbeitsalltag als Therapeutin für Sexualtherapie, Paartherapie und Mediation?

Ich gehe an vier Tagen in der Woche gern in meine Praxis und arbeite im persönlichen Kontakt mit den Paaren und Klienten, da dies zu der Kolumne und den Büchern eine wunderbare persönliche Facette bietet. Um 20 Uhr ist aber Feierabend. Am fünften Tag in der Woche warten meine Mails, die Kolumne als Sexpertin, Buchhaltung und meine Freunde.

Während Corona hat sich das sexuelle Flirtverhalten stark verändert. Eingeschränkte Kontakte, gefühlte Unsicherheit: Was bedeutet das für das Sexualleben für Singles? Tinder und Co sind out und wir vereinsamen zunehmend?

Ich beobachte, dass immer mehr Singles unter der Länge der eingeschränkten Kontakte leiden. Ein gutes Gegengewicht können langfristige Freundschaft+ Konstellationen sein. Das spontane Dating rückt eher in den Hintergrund, regelmäßige Treffen werden wichtiger. Und daraus entstehen öfter auch feste Partnerschaften, die sich sonst eher keine Chance gegeben hätten. Es gibt also auch gute Geschichten, die Corona schreibt…

Ihre Einschätzung als Sexpertin zu den kommenden 12 Monaten: Sex quo vadis? Für Paare, Solos und Suchende…?

Gute Frage. Ich bin so lange optimistisch, bis ich es nicht mehr abstreiten kann, dass es anders kommt. Deswegen formuliere ich es mal in Form von Tips. Für Paare: Findet über kommunikative Offenheit eine aufregende Sexualität (wieder?), die euch bereichert und Lust auf regelmäßigen Sex macht. Solos: Genießt das Sololeben und findet die Version eurer Selbst (auch im Bett), mit der Ihr gern gemeinsam in die Zukunft geht. Suchende: Bleibt offen und reflektiert, interessiert und habt keine Angst vor Fehlern. Es wird immer eine nächste Bindung geben…